Zum Detox damit! Ist das wirksam oder kann das weg?

Detox ist Trend. Detox machen viele. Und deshalb ist Detox so gesund. Weil es viele machen. Immerhin gibt es schon  Pflaster, die dich quasi im Schlaf entgiften lassen. Detox und seine Wirkung? Vom Laien bestätigt. Von der Industrie gefördert. Also: Detox ist wirksam.

Detox wirksam

Frische Früchte unterstützen deinen Körper bei der Entgiftung, Foto: RitaE, über: Pixabay

Wahrscheinlich mache ich mich jetzt zum Feind der Industrie, aber Detox geht auch einfacher. Nämlich ohne die ganzen angepriesenen Produkte.

Denn stelle dir vor: Es kostet dich nichts.

Diesem Beitrag ist Detox aus der medizinischen Sicht gewidmet.

In den nächsten paar Absätzen erfährst du, warum du deinen Körper beleidigst, wenn du ihn entgiften musst, und was für ein Wunderwerk er eigentlich ist.

Wie einfach Detox eigentlich ist, und warum es trotz der anfangs vorsichtigen Worte zu Beginn dieses Beitrags Wirkung zeigt, erfährst du jetzt!

Detox Produkte: Wirksam oder unnötig?

Detox ist nicht erst seit gestern ein Trend, auf den sich viele berufen. Schon seit einigen Jahren empfehlen viele – Ärzte, Influencer, die Industrie – den Körper zu entgiften.

So soll er leistungsfähiger sein, du weniger müde und schöner werden.

Der Begriff Detox wurde dabei eigentlich der Drogentherapie entnommen, wobei der Körper die angesammelten Giften aus dem Körper scheidet. Dafür gibt es einige Produkte, die dir helfen sollen.

  • Tees
  • Pillen
  • Pflaster
  • Cremes

Diese sind nicht selten teuer. Aber teuer heißt ja, dass die Produkte wirken, oder?

Anneke von Reeken, Referentin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, sagt:

„Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass unser Körper entgiftet werden muss.“

Einfaches Wohlbefinden sind leider keine Beweise. Das allgemeine Wohlbefinden lässt sich mit der einfachen Ausschüttung von Glückshormonen (Endorphine) erklären. Diese entstehen u.a. durch Fasten oder durch das Auslassen bestimmter Lebensmittel. Sie werden aber auch bei radikalen Ernährungsumstellungen ausgeschüttet, um den Körper bei der Umstellung zu unterstützen.

Dr. Matthias Riedl, den die meisten als Ernährungsdoc beim NDR kennen, hat ebenfalls seine Zweifel, was die Wirksamkeit dieser Produkte betrifft. Schlacken, die durch diese Produkte aus dem Körper geschieden werden sollen, sind lediglich Stoffwechselprodukte.

Und diese kann der Körper auf natürliche Weise ausscheiden.

Sind Tees und co. also sinnvoll oder sinnlos?

Es stimmt, dass es einige Tees gibt, die helfen Stoffwechselprodukte -die Schlacken- aus dem Körper zu schwämmen. Dazu gehört z.B. Brennnessel Tee. Auch Aktivkohle oder Heilerde können unterstützend wirken.

Es gibt sogar fertige Teemischungen, die aus bestimmten Kräutern bestehen.  Diese sind im Vergleich zu den einzelnen Teesorten -Brennnessel, Löwenzahn, Birkenblätter- teurer, weil sie ein bestimmtest Versprechen erfüllen. Nämlich jenes, mit genau diesen Teemischungen entgiften zu können.

Kleiner Tipps: Wenn du dich auf 1-3 Kräuter Tees beschränkst, sparst du Geld.

Wichtig: Solltest du krank sein, dann spreche vorher mit deinem Arzt/Apotheker die geeigneten Tees ab. Denn die Wirkstoffe unterscheiden nicht zwischen guten und bösen Stoffen. So kann es sein, dass gute Mineralstoffe durch Heilerde, Tees oder Aktivkohle gebunden und ausgeschieden werden.

Ich habe einst eine Frau getroffen, die über einige Wochen mehrere Liter Brennnessel Tee getrunken hat. Sie fühlte sich schlapp und ein Gang zum Arzt offenbarte ihr, dass wichtige Mineralien aus ihrem Körper geschwemmt wurden.

Wie entgiftet sich dein Körper selber?

Das kann er nämlich! Und wer ist dafür verantwortlich? Unsere Organe!

Deine Leber, Niere, Galle und auch die Lunge sind deine persönlichen Detox Helfer.

Stoffwechselprodukte können beispielsweise von der Leber chemisch verändert werden. Sie filtert Schadstoffe aus dem Blut und auch viele Arzneien werden von ihr abgebaut. Diese werden anschließend über die Gallenflüssigkeit ausgeschieden.

Deine Nieren sind deine persönliche Filteranlage. Auch hier werden Stoffwechselprodukte aus dem Blut gefiltert und über den Urin ausgeschieden. Wenn du ausreichend Wasser und ungesüßte Kräuter Tees trinkst, unterstützt du die Niere bei ihrer Arbeit.

Deine Lunge wiederum sorgt dafür, dass Kohlendioxid ganz einfach und natürlich beim Atmen deinen Körper verlässt.

Aber: Es gibt auch Gifte, die der Körper nicht ausscheiden kann. Hierzu zählen z.B. Schwermetalle. Und bei denen können auch keine Detox Produkte wie Pflaster helfen.

Wie du deinen Körper bei der Entgiftung hilfst

Um wahr zu sein, sprachen sich die oben genannten Gründe gegen einen Eingriff in die körpereigene Entgiftung. Manchmal stößt unser Körper aber nicht nur durch schlechte Lebensgewohnheiten, sondern auch und vor allem durch schlechte Ernährung an seine Grenzen.

Anstelle von teuren Tees, Pulvern, Pflastern und Tabletten, kannst du dein Geld lieber gezielt in gute Nahrungsmittel investieren.

Dabei ist es wichtig, auf möglichst wenig verarbeitete und belastete Lebensmittel zurückzugreifen, da diese in der Regel weniger Schadstoffe in sich haben.

Falls du also feststellt, dass du müde bist, fade Haut hast und gerne mehr Kraft hättest, dann probiere folgendes aus:

  • Verzichte zeitweilig (1-2 Wochen) auf
    • Fleisch und Fisch
    • Kaffee, Schwarz Tee und Grüner Tee
    • Alkohol, Süßigkeiten
    • Weißmehlprodukte
  • Iss überwiegend basische Lebensmittel wie
    • Kartoffeln
    • zuckerarmes Obst
    • (Grünes) Gemüse
    • Kräuter (Tees)
    • Hülsenfrüchte

Es braucht ein wenig Geduld und vor allem etwas Durchhaltevermögen, wenn du dies zum ersten Mal versuchst. Erfahrungsgemäß ist der 2. oder 3. Tag der Knackpunkt, an dem du deine Entgiftung anzweifelst.

Bitterstoffe zum Abnehmen

Bitterstoffe produzieren mehr Gallenflüssigkeit, Foto: silviarita, über: Pixabay

Übrigens: Bittere Lebensmittel wie Löwenzahl, Rucola oder Chicorée sorgen dafür, dass deine Leber mehr Gallenflüssigkeit produziert.

Generell heißt die Devise: Vorbeugen oder nachbessern!

Gezieltes Detox ist vermeidbar

Wenn man sich das so durchliest, dann musst du deinen Körper nur gezielt entgiften, wenn du dich durchgehend ungeeignet ernährst oder unangebrachte Gewohnheiten pflegst.

Anders gesagt: Wenn du dich von vornerein ausgewogen ernährst, dich bewegst und oft an die frische Luft gehst, dann musst du keine teuren Tees oder gar Pflaster kaufen.

Und noch so? Wenn du dir der ganze Aufwand sparen willst, dann achte darauf, dass deine Lebensmittel möglichst unbelastet sind. Behandelte Lebensmittel haben oft Schwermetalle und Pestizide in sich, die der Körper nur sehr schwer abbauen kann.

Vermeide Detox Kuren ganz einfach

  • mit Bio und/oder regionalen Lebensmitteln
  • durch größtmöglichen Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Süßigkeiten
  • mit viel frischem Gemüse und zuckerarmen Obst
  • mit Vollkornprodukte statt Weißmehlprodukte (und nicht zu viel davon)
  • durch viel frische Luft und Sport
  • und verzichte auf verarbeitete Wurst- und Käsewaren

Ist Detox nun wirksam oder nicht?

Detox ist wirksam. Was aber fragwürdig und medizinisch nicht belegt ist, sind die ganzen Produkte, mit denen alleine du entgiften sollst. Seien dies Pflaster, Pillen oder Cremes.

Wenn du dich generell ausgewogen ernährst, viel trinkst, dich bewegst und an der frischen Luft bist, dann ist es nicht nötig, gezielt zu entgiften.

Planst du aber eine Ernährungsumstellung, willst wieder mehr Energie und eine frische Haut bekommen, dann sind gezielte Entgiftungen möglich. Dafür reicht es, die oben genannten Tipps anzuwenden.

Das Geld, was du für die wirkungslosen Produkten verlieren würdest, kannst du stattdessen in hochwertige Lebensmittel stecken.

Und wenn du dich danach so ernährst, dass dein Körper wie gewohnt seine Arbeit alleine machen kann, dann musst du auch nicht mehr nach Detox und die Frage, ob es wirksam ist, im Internet suchen.


Quellen:

Karin Priehler: Die Detox-Lüge, in: Apotheken Umschau, Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG, Baierbrunn bei München, 2021, vom 15. März 2021, S. 52-56

Rheuma Deern
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Rheuma Deern

Als Berufsrheumatikerin habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, nicht nur meinen Leidensgenossen, sondern auch gemütlicher gebauten Menschen Hilfe zu geben, damit sie ihr Leben nicht nach einer Krankheit oder anderen Hindernissen richten. Ziel ist, dass sich die Krankheit dem Leben anpassen muss, nicht umgekehrt!

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