Kortison, seine Nebenwirkungen und warum es gar nicht so schlecht ist

Kortison ist gefährlich, die Nebenwirkungen machen dich kranker und du wirst zunehmen.

Dies hört man oft, wenn es um diesen wundersamen Entzündungshemmer geht.

Und es entsteht der Eindruck, als würde man eine Horror Geschichte anfangen wollen. Und Kortison ist der böse Hauptdarsteller.

Aber Spaß bei Seite.

Denn Kortison wird nicht umsonst sooft verschrieben. Und wenn du an bestimmten Krankheiten leidest, dein Arzt etwas von seinem Fach versteht und Kortison keine Langzeittherapie darstellt, dann ist Kortison einfach nur zu empfehlen und um Nebenwirkungen kümmerst du dich nicht.

Diesem Medikament in seinen verschiedenen Formen ist dieser kleine Beitrag gewidmet. Wenn es angebracht ist, werde ich auch meine eigene Erfahrung mit dem Kortison preisgeben und freue mich auch auf deine Erfahrungen die du uns allen teilen kannst.

Und wenn du fertig mit lesen bist, wirst du nicht nur ein wenig Reue für deine bisherigen Vorurteile Kortison gegenüber hegen, sondern hoffentlich auch weniger ängstlich sein.

Du wirst dann merken, dass Kortison wie Eis ist.

Isst du zu viel, geht es auf die Gesundheit.

Kortison Nebenwirkungen
Foto: HeungSoon, über: Pixabay

Kortison: Seine Nebenwirkungen und wann du es brauchst

Bevor es ans Eingemachte geht und wir auf Kortison und seine Nebenwirkungen zu sprechen kommen, solltest du wissen,

a) was Kortison ist und wie es wirkt

b) bei welchen Krankheiten es eingesetzt wird

c) welche Nebenwirkungen es gibt.

a) Was kann es, was ist es?

Kortison ist ein Entzündungshemmer und ist in verschiedenen Formen verfügbar. Du kannst es als Creme, Tablette oder auch als Spray und Injektion benutzen.

Dieser Entzündungshemmer wirkt wie das körpereigene Cortisol, das Stresshormon, welches den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel erhöht.

Zur Gruppe der sogenannten Glukokortikoide gehörend wirkt Kortison

  • antientzündlich
  • antiallergisch
  • und hemmt das körpereigene Immunsystem

Bei der Einnahme gibt es verschieden Möglichkeiten, wobei es dabei auf die Art der Erkrankung ankommt.

In Form von Cremes oder Sprays gelangt es lokal und gezielt an die betroffenen Stellen und tut dort seinen Dienst.

In Form von Tabletten und Spritzen gelangt Kortison direkt in die Blutbahn und und wirkt entsprechend im ganzen Körper. Auf diese Weise gelangt es schnell überall dort, wo im Körper eine Entzündung lauert, die durch das fehlerhafte Immunsystem entstanden ist.

Und du solltest Kortison morgens einnehmen.

Egal in welcher Form.

Warum?

Kortison soll das körpereigene Cortisol nachahmen. Und dieses wird früh am Tag in der Nebenniere produziert.

Das sorgt dafür, dass du morgens in Gang kommst. Abends senkt der Cortisolspiegel, wodurch du zur Ruhe kommst.

Um diesen Rhythmus nicht zu stören, sollte die Einnahme am besten zwischen 6 und 8 Uhr morgens geschehen sein.

Das kriegst du hin, da du um die Zeit wahrscheinlich sowieso schon wach bist und alles in greifbarer Nähe ist.

Kortison ist kein Wunder, welches Krankheiten heilt

Vielmehr lindert es Krankheitssymptome und verhindert einen schwereren Krankheitsverlauf.

Nehmen wir das Beispiel Rheuma.

Bei den verschiedenen Rheuma Arten greift dein defektes Immunsystem den eigenen Körper an und zerstört, je nach Art und Schwere der Krankheit, deine Gelenke, Knochen oder das Gewebe.

Die Krankheit legt dabei ein schnelles Tempo an und eine schnelle Therapie verhindert oft einen schweren Verlauf.

Vor allem am Anfang ist es wichtig, dass der Entzündungsprozess aufgehalten wird.

Denn der Knorpel kann sich beispielsweise nicht wieder zurückbilden.

Und wenn du deine Therapie zu spät beginnst, dann dauert diese auch länger.

Und aus diesem Grund wird Kortison oft am Anfang einer Rheuma Therapie eingesetzt.

Persönliche Anmerkung: Früher habe ich bei schweren Rheuma Schüben auf Schmerzmittel verzichtet und lieber eine 7-10 Tage lange Kortison Therapie (die vorher mit dem Arzt abgesprochen war) gemacht. Der Grund war zum einen, dass keine Schmerzmittel bei mir einschlugen (auch nicht die verschriebenen Medikamente). Zum anderen haben die Entzündungen bei mir die Schmerzen verursacht. Und da habe ich bessere Erfahrungen mit Kortison sammeln dürfen.

b) Bei welchen Krankheiten kommt Kortison zum Einsatz?

Kortison wird bei vielen Krankheiten eingesetzt. Zu den bekanntesten zählen

  • rheumatische Erkrankungen
  • Hautauschlägen und Hauterkrankungen
  • Asthma
  • Heuschnupfen
  • Morbus Crohn

Da schon früh versucht wurde, Nebenwirkungen (auf die wir gleich zu sprechen kommen) zu reduzieren und die Wirksamkeit trotzdem zu erhalten, gibt es verschiedene chemische Zusammensetzungen in den Medikamenten.

Das klingt erstmal nett und gut.

Allerdings ist eine höhere Wirksamkeit des Kortison gleichbedeutend mit einer erhöhten Gefahr, das die gefürchteten Nebenwirkungen bei dir anschlagen.

Aus diesem Grund solltest du Kortison nie als Langzeittherapie betrachten und alles immer mit Absprache deines Arztes einnehmen oder auslassen. Gegebenenfalls gelangst du auch an einen Punkt, ab dem du leichtere Medikamente einnehmen kannst.

Aber da musst du erstmal hin kommen.

Die Kortison Therapie, egal, wie lange sie nun dauert, wird dann schrittweise abgesetzt.

Der Grund ist folgender:

Der der Zugabe von Kortison wird das körpereigene Cortisol unterdrückt. Um einen bedrohlichen Mangel an Cortisol zu verhindern, ist es von ausgesprochener Wichtigkeit, die Dosis schrittweise zu verringern, damit der Körper genutzt Zeit hat, die eigene Cortisol Produktion wieder anzukurbeln.

Auch kann eine abrupte Absetzung die Entzündungen erneut aufflammen lassen.

Wie schnell diese Reduzierung geht, hängt aber von der Dosierung ab.

Nimmst du z.B. über einen Zeitraum von einer Woche eine hohe Dosis ein, kann diese schnell/sofort beendet werden.

Dauert deine Therapie länger als 2 Wochen, dann wird die Dosis schrittweise verringert, bis sie abgesetzt wird.

Aber das ist alles eine Frage deines Krankheitszustandes und daher eine individuelle Frage.

Sehen wir uns nun einige der möglichen Nebenwirkungen an.


Lerne in der Rheuma Schule, wie du deine Medikamente reduzieren und zu weniger Schmerzen gelangen kannst.


c) Kortison und die Nebenwirkungen

„Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“

Den Spruch hörst du mehrmals am Tag, wenn du den Fernseher anschaltest und dir die Werbungen antust, die das öffentliche Fernsehen ausmachen.

Und Kortison ist so ein Medikament, bei dem es sich lohnt, eventuell mehrmals nachzufragen.

Um die Nebenwirkungen gering zu halten, sollte Kortison nur zum Anfang einer Krankheit oder bei Schüben kurzweilig eingesetzt werden. Und zwar so lange, bis die Symptome abgeklungen sind.

Danach wird in der Regel auf verträglichere Medikamente umgeschaltet.

Wir haben eine große Auswahl an Nebenwirkungen, von denen gleich nur einige genannt werden.

Die meisten haben Angst, dass sie durch eine Kortison Einnahme zunehmen. Der Grund ist, dass Kortison den Appetit steigert.

Und das sollte vermieden werden!

Nicht nur, weil du so einer Gewichtszunahme entkommst, sondern auch, weil die Ernährung als Teil deiner Therapie Entzündungen zusätzlich hemmen kann und den Gebrauch von Kortison bestenfalls auslassen kannst (wie bei mir).

Aber es gibt noch viel mehr…

Einige der allgemeinen Nebenwirkungen, die Kortison mitbringen kann, sind:

  • Osteoprorose
  • Diabetes
  • Heißhunger
  • Übergewicht
  • Fatigue
  • Cushing-Syndrom
  • Bluthochdruck
  • Magengeschwüre

Um diese und weitere Nebenwirkungen zu hemmen oder zu verhindern sind regelmäßige Besuche beim Arzt sowie Blutabgaben wichtig.

So kann im Fall der Fälle vorzeitig erkannt werden, ob sich eine neue Krankheit anbahnt oder sogar, ob du auf andere Medikamente umsteigen kannst (was ideal wäre).

Nebenwirkungen bei einer äußeren Anwendung

Lokal wirkende Kortison Medikamente wie Cremes, Sprays, oder Augentropfen, bringen eine geringere Gefahr für Nebenwirkungen mit, da die Wirkstoffe nicht/kaum ins Blut gelangt.

Dennoch kommen einige zusammen.

  • leichte Pigmentstörungen der Haut
  • Dehnungsstreifen
  • Haarwurzelentzündungen
  • Hautverdünnung
  • Rötungen im Mundraum (bei Sprays)
  • Akne

Bei Cremes, Salben oder Lotionen kommt die Wirkung des Kortison vor allem durch dünne Haut am einfachsten durch.

Das wären z.B. die Haut im Gesicht, in den Gelenkbeugen (Ellenbogen, Achseln) oder an den Augenlidern.

In diesem Fall reichen daher schwächere bis mittelstarke Medikamente aus(wie Hydrokortison oder Prednicarbat).

Auch die Frage der Hautbeschaffung spielt eine Frage bei der Wirkung einer äußerlichen Anwendung.

Wenn die Haut feucht/warm (wie nach dem Duschen oder Baden) ist oder ob die betroffene Stelle mit einem Verband umwickelt ist.

Sind einige Menschen besonders betroffen?

Ja, es gibt einige Menschen, die eher an Nebenwirkungen leiden als andere. Und zwar Menschen mit

  • bestimmten Vorerkrankungen
  • Übergewicht
  • hohem Blutdruck
  • Depressionen
  • Osteoporose
  • langer Kortison Therapie
  • Bewegungsmangel
  • falscher Ernährung

Generell sind Menschen, die an oben genanntem leiden auch für andere Krankheiten anfällig, für die nicht Kortison gebraucht wird.

Alles, was das Immunsystem schwächt, birgt Risiken an schweren Krankheiten zu leiden.

Einige Faktoren kann man beeinflussen (wie den Lebensstil), andere kann man eventuell steuern, auch wenn sie genetisch bedingt sind.

Und dabei kommt auch die Frage auf, ob es nicht noch andere Alternativen gibt, die ähnlich Wirken wie Kortison, antientzündlich sind, Schmerzen lindern und keine Nebenwirkungen haben.

Ich empfehle dir dazu den Beitrag zu natürlichen Entzündungshemmern, wenn du dich nicht ganz auf Kortison verlassen willst:


Kortison Nebenwirkungen

Keine Lust auf Nebenwirkungen? Dann musst du diesen Beitrag lesen.


Zusammenfassung

Ich hoffe, durch den Beitrag ein wenig die Angst vor Kortison genommen zu haben. Ziel war zum einen die Wirkung leicht verständlich zu machen, und zum anderen die Einnahme nicht leicht hin zu nehmen.

Kortison lindert Symptome und hemmt Entzündungen, die sich sonst breit im Körper machen und noch mehr Unheil anrichten.

Die Einnahme ist etwas komplizierter als bei anderen Medikamenten und sollte nie als Langzeittherapie in Betracht gezogen werden.

Es ist wichtig, dass du Kortison immer mit Absprache deines Arztes einnimmst und als Teil deiner Therapie siehst.

Bei Krankheiten sollen Medikamente immer nur unterstützend sein und vor schwereren Verläufen bewahren.

Eine gesunde Lebensweise auf lange Zeit hinweg ist genauso wichtig wie die medikamentöse Therapie und kann im besten Fall die Medikamenteneinnahme stark einschränken.

Und weniger bis gar keine Medikamente nehmen zu müssen, ist das, was sich jeder Erkrankte wünscht.

Wenn du noch tiefer in das Thema eintauchen willst, dann empfehle ich dir diesen Artikel.


Quelle: Reiter, Lillian, In: Apotheken Umschau: Kortison. Besser als sein Ruf, Word & Bild Verlag Konradshöhe GmbH &Co. KG, Februar 2022, S. 56 ff.

Rheuma Deern
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Rheuma Deern

Als Berufsrheumatikerin habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, nicht nur meinen Leidensgenossen, sondern auch gemütlicher gebauten Menschen Hilfe zu geben, damit sie ihr Leben nicht nach einer Krankheit oder anderen Hindernissen richten. Ziel ist, dass sich die Krankheit dem Leben anpassen muss, nicht umgekehrt!

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