Was Krankheiten mit der Psyche machen und wie du dem entgegenwirkst

Krankheiten wirken sich auf den Körper aus. Er wird müde, ausgelaugt, manchmal wird er schwere oder leichter. Dann gibt es Krankheiten, die oft chronischer Natur sind. Und diese können sich mehr als einfache Krankheiten auf die Psyche auswirken. Warum wirken Krankheiten oder körperliche Einschränkungen auf die Psyche ein?

Haben andere Menschen recht, wenn sie sagen, dass dies nur eine Frage der inneren Stärke ist und dass man übertreibt? Hier ist ein Versuch gewagt, dieses empfindliche Thema zu erfassen.

Krankheiten Psyche
Krankheiten beeinflussen die Psyche mehr, als sich nicht-Betroffene vorstellen können. Foto: TotalShape, über: Pixabay

Wie wirkt sich eine Krankheit auf die Psyche aus?

Ob eine Krankheit chronisch ist oder nicht, spielt keine Rolle bei der Frage, ob auch Menschen ohne chronische Erkrankung oder körperlicher Einschränkung psychisch beeinflusst werden oder nicht.

Es gibt Menschen, die sich von einer einfachen Erkältung auch psychisch angreifbar fühlen. Sie haben das Gefühl, gegen einen unsichtbaren Feind eigentlich gewappnet sein zu müssen und fühlen sich schwach, wenn der Körper dies auch ist.

Dann gibt es verschiedenste Krankheiten, die entweder chronisch sind oder einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen.

Dies sind zum einen chronische Krankheiten.

Sie sind oft für den Rest des Lebens ein ständiger Begleiter, bringen Folgeerkrankungen mit und zwingen einen eventuell zu einer ständigen Medikamenteneinnahme.

Oder es sind Unfälle, durch welche bislang gut funktionierende körperliche Funktionen eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich sind. Die Momente, in denen diese Situationen eintreten, sind dabei so kurzzeitig, dass man sich selten dagegen wappnen kann.

Wenn die Krankheit ein ständiger Begleiter wird

Vor allem (nicht ausschließlich) weiten sich Krankheiten auf die Psyche aus, sobald die Erkenntnis da ist, dass diese einen für den Rest des Lebens begleiten wird.

Wenn der Arzt/die Ärztin mit der Diagnose kommt, bleibt die Zeit kurz stehen, um die Information aufnehmen zu können.

Und zuerst wird sich ein Leben voller Einschränkungen, Abhängigkeiten und Freudlosigkeit vorgestellt.

Die Diagnose ist da, und der/die Betroffene widmet sich die nächsten Wochen und Monate ausschließlich der Krankheit/ den eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten.

Vorherige selbstverständliche Gewohnheiten fallen einem schwer oder sind ganz unmöglich.

Jetzt erinnert man sich an die Zeit, in der man einfachste Bewegungen, Gefühle oder Umstände für unantastbar hielt.

Wieso wurde diese Zeit nicht wertgeschätzt? Hat man selber Schuld daran, dass dieser Zustand gekommen ist?

Es sind diese Umstände und Fragen, die die Psyche zu tragen hat. Medikamente und andere Abhängigkeiten sollen von der Psyche und dem Ich genauso verarbeitet werden wie alle anderen Lebensinhalte.

Dabei sind andere Alltagspflichten, Sorgen und Probleme in der Familie/Partnerschaft/im Job nicht einbezogen.

Nun ist der Mensch eben nur ein Mensch, und dass heißt, dass Krankheiten immer mit Einschränkungen und dergleichen in Zusammenhang gebracht werden.

Und die Vorstellung, dass man nur durch Medikamente seinen Alltag bewerkstelligen kann, ist ebenso eine ungewollte Realisation.

Wenn du dich als Betroffener noch mit falschen Menschen umgibst, die dir deine Sorgen klein reden, sagen, dass du übertreibst oder wie einfach sie mit Krankheiten umgehen, ist dies eine weitere Last auf deinen Schultern.

Denn jetzt gibt es nicht einmal mehr Menschen, denen du dich anvertrauen kannst, ohne gleich zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Und am Ende bist du mit dir ganz alleine und sollst noch in der Gesellschaft funktionieren.

Von Rheuma und anderen Begleitern

Alle die Krankheiten aufzuzählen, die die Psyche belasten, ist hier nicht möglich. Der Rahmen würde gesprengt und vom Wesentlichen ablenken. Zudem würden einige Menschen bestimmte Krankheiten von einem Zusammenhang mit psychischen Leiden ausschließen, während andere darunter leiden.

Als Vertreter dieser Krankheiten wird die Rheumatoide Arthritis genannt. Doch werden sich auch Menschen mit anderen Krankheiten wiedererkennen.

Du bist noch jung, beweglich und hast bestimmte Zukunftspläne. Eines Tages fühlen sich deine Gelenke anders an als sonst. Zuerst machst du nichts. Morgen wird es schon verschwinden.

Irgendwann bist du beunruhigt, weil die Schmerzen noch da sind.

Du gehst zum Arzt und erhältst die Diagnose Rheuma.

Ist das nicht eine Alte-Leute Krankheit? Was heißt das jetzt für dich? Nachdem die Diagnose gestellt ist fühlst du, was Rheuma wirklich heißt:

  • Du kannst deine Finger nicht richtig krümmen. Jeder Versuch schmerzt
  • Aufstehen ist eine Qual
  • Du brauchst für alle Wege mindestens die doppelte bis dreifache Zeit, da du langsamer gehst als sonst
  • Kauen, Besteck und Gläser in der Hand halten etc. wird schmerzhaft
  • Du nimmst entweder ab, weil du kaum noch essen kannst, oder du nimmst durch die notwendigen Medikamente zu

Kurzum, du bist tagtäglich mit deinen Einschränkungen konfrontiert, die du neben deinen anderen Problemen, Sorgen, Arbeiten und alltäglichen Aufgaben zu bewältigen hast.

Und wenn du weiter denkst, dann siehst du dich nach vielen Jahren in einem Alter, wo du nochmals altersbedingte Einschränkungen zu befürchten hast.

Warum sind einige Menschen Krankheiten gegenüber psychisch „überlegener“ als andere?

Natürlich, weil wir alles anders sind. Es gibt viele Menschen, die sich trotz einer neu aufgetretenen Einschränkung (in welcher Form auch immer) mit ihr arrangieren und ihr keine zu große Bedeutung beimessen.

Nicht wenigen wird dadurch erst richtig bewusst, was es heiß, gesund zu sein und was Stärke bedeutet. Dann hat eine Person nun einen Körperteil weniger. Doch für sie ist dies kein Grund, die Lebensfreude zu verlieren.

Neu aufgetretene Situation sehen sie als Chance, sich neu zu finden und fangen früh an, ihren Alltag umzustrukturieren.

Andere sehen vor allem die Krankheit/Einschränkung und übersehen dabei all die gut erhaltenen Sachen im Leben.

Sie wachen auf, denken an die Medikamente, die neben ihrem Bett liegen und dass sie noch weitere nehmen müssen. Sie fühlen sich in ihrem neuen Körper nicht mehr wohl. Sei es, dass sie abgemagert und schwach oder schwer und ungeformt sind, dass ihre Haut sich verändert hat oder ein Körperteil fehlt.

Ihrer Zukunft sehen sie genauso düster entgegen wie ihren heutigen Tag. Wenn sie nun auch Menschen in ihrer Umgebung haben, die sich ihre Krankheit nicht vorstellen können und ihre Leiden herunterspielen, dann ist die Depression perfekt.

Dies Gründe, weshalb dies so ist, kann nur individuell erschlossen werden. Und niemandem sollte Schuld daran gegeben werden, dass sie in dieser Situation sind. Auch Menschen, die leichter mit einer Situation umgehen, müssen sich erstmal psychisch auf die Neurungen in ihrem Leben einstellen.

Bei all diesen Problemen, mit denen sich Betroffen aller Krankheiten auseinander setzen, stellen sich einige die Frage, ob man sich nicht helfen kann.

Wie hält man Krankheiten von der Psyche fern?

Hier ist nur ein Versuch gewagt, diese sensible Frage zu beantworten. Dabei wird auch auf persönliche Erfahrungen zurückgegriffen und Ideen geliefert, die hoffentlich Abhilfe schaffen.

Auch wird keinem vorgeworfen nichts gegen sein Empfinden zu tun oder sich zu sehr in seine Lage zu steigern. Weitere Tipps und Ideen sind willkommen.


Krankheiten Psyche

Entspannung ist gegen Krankheiten und für die Psyche sehr wichtig. Hier sind einige Tipps, die dir helfen zu entspannen


Du bist nicht alleine

Sobald dir eine Krankheit oder eine körperliche Einschränkung diagnostiziert wird, ist es richtig und wichtig, sich von seinen Emotionen erst einmal leiten zu lassen.

Du kannst weinen, dir deine Zukunft vorstellen und auch in Trauer verfallen. Auch wenn du es nicht soweit kommen lassen willst, so werden deine alltäglichen Gewohnheiten kurzzeitig in den Hintergrund gerückt, weil du die neuen Informationen verarbeiten musst.

Sobald diese Phase vorbei ist, solltest du dich mit deiner Krankheit vertraut machen.

Welche Therapie schlägt dein Arzt vor? Welche Alternativen gibt es? Wie sieht es mit deiner Ernährung aus? Gibt es Heilung? Wie gehen andere mit der gleichen Krankheit um?

Du bist nicht die einzige Person, die an einer bestimmten Krankheit leidet. Einige haben ihre Erfahrungen veröffentlicht, geben Tipps und Hilfe und wissen um die Probleme, denen du gegenüberstehst. Nicht selten wirst du motiviert, es mit deiner Krankheit aufzunehmen, weil andere dies auch geschafft haben.

Du findest keine Personen mit der gleichen Krankheit?

Weihe deine Familie und gute Freunde in deine Lage ein. Erkläre ihnen, dass du eventuell bestimmte Lebensmittel nicht mehr essen kannst, dass du zurzeit gereizt bist und dafür bitte Verständnis angebracht ist und dass du dich in einer Phase der Erkundung befindest.

Dein Leiden bestimmt nicht dein Leben

Auch wenn du krank bist oder körperliche Einschränkungen hast, so hast du auch einen Alltag und ein Leben zu leben. Deine neue Lage darf nicht dein Leben bestimmen, sondern du solltest deine neue Lage an dein Leben anpassen.

Vielleicht wirst du einige Umstrukturierungen vornehmen müssen.

Wenn du beispielsweise schon immer einen körperlich anstrengenden Beruf ausüben wolltest, es jetzt aber nicht mehr kannst, dann wirst du nicht unglücklicher, wenn du einen andren Beruf ins Auge fast.

Oder du warst schon immer ein leidenschaftlicher Läufer, kannst aber durch Probleme in den Knien nicht mehr Joggen gehen. Warum solltest du nicht mit schwimmen oder Walking genauso glücklich werden?

Mit Sicherheit hast du auch Hobbies. Du vereist gerne, triffst dich mit Freunden, gehst gerne Tanzen oder auf Konzerte. Niemand verbietet dir, dies zu unterlassen.

Tipp: Nimm die ein weißes Blatt Papier und schreibe zuerst dein Leiden auf (nur 1-2 Wörter). Überlege dir, was du damit verbindest. Schreibe dir nun auf, was du alles in deinem Leben gut findest. Worauf bist du stolz? Was macht dich glücklich? Die Idee ist, dir bewusst zu machen, dass dich mehr als deine Krankheit ausmacht und nur ein Teil deines Lebens ist – nicht aber dein Leben selbst.

Hilft Autosuggestion?

Die Idee bei der Autosuggestion ist, dass du durch verschiedene mentale Übungen, Mantras und deine persönliche Haltung Krankheitsbilder linderst oder gar komplett bekämpfen kannst.

Durch Autosuggestion soll dir deine eigene Stärke bewusst werden, wobei deine Krankheit aber nicht unterdrückt, sondern auch bewusst gemacht wird.

Die Art und Weise, wie Autosuggestion vorgenommen wird, ist verschieden und kann sowohl alleine als auch unter Leitung einer Psychologin/eines Psychologen vorgenommen werden. Hier ein Beispiel:

  • Mache dir deine Krankheit/dein Leiden bewusst. Was verbindest du damit? Was weißt du darüber?
    • Informiere dich, worauf du zu achten hast. Musst du eine neue Ernährung integrieren? Solltest du einen anderen Sport machen? Welche Arbeit solltest du machen, welche nicht?
  • Mache dir deine Stärken bewusst und schreibe sie dir auf. Eine bildliche Darstellung wirkt anders, als wenn du dir alles nur überlegst
    • Welche Stärken kannst du benutzen, um deine Krankheit anzugehen?
  • Sei stur! Sage dir, dass keine Krankheiten deine Psyche angreifen darf
  • Nur weil du einen neuen Begleiter im Leben hast, heißt es nicht, dass alle anderen Aspekte in deinem Leben schlecht geworden sind
    • Vor allem bei Krankheiten und anderen Leiden ist es sehr wichtig, dass der Tag einem immer schöne Momente verspricht

Manchmal hilft auch einfaches Lachen. Natürlich nicht hysterisch und mitleidserregend, aber ab und zu über eine eigentlich schmerzhafte Sache zu lachen, hilft dir.

Durch Lachen werden Glückshormone ausgeschüttet, die schmerzlindernde Wirkungen mit sich bringen. Außerdem wirst du merken, dass in jeder Situation etwas gutes zu finden ist. Und darum geht es bei chronischen Leiden.

All dies braucht Übung, sollte daher regelmäßig durchdacht werden.

Du wirst auch Momente haben, in denen du nur weinen willst. Sobald dies getan ist, ist es wieder an der Zeit dir alles Gute vor Augen zu führen, was du hast, sowie all die Möglichkeiten, die sich dir immer noch bieten.


Krankheiten und Psyche: Letzte Worte

Vor allem in der Anfangsphase einer Krankheit ist die Psyche mehr betroffen als im späteren Verlauf. Einigen wird erst ab dem Moment klar, wie sorglos sie eigentlich vorher hätten seien sollen. Trauer und Verzweiflung sind dennoch normal und wichtig.

Du bist mit einer neuen Situation konfrontiert, die sich unangekündigt in dein Leben geschlichen hat. Selbstverständlich bist du dann überwältigt und siehst zuerst die Probleme und Einschränkungen.

Die Hilfen, die hier genannt sind und gerne erweitert werden dürfen, sind auch nur eine persönliche Sicht dieses Themas. Man kann nicht erwarten, dass eine Person, die mit einer Krankheit etc. keine Probleme im Leben sieht, die eigene Haltung an eine Person übermittelt, die selbst am Boden ist.

Dann heißt es nicht, dieser Person Vorwürfe zu machen, dass sie selbst an einer Lage Schuld ist. Es kann helfen, sich auszutauschen, mit anderen Betroffenen, der Familie oder auch Psychologen.

Wichtig ist aber, dass eine neue Situation nicht die Hauptrolle im Leben einnimmt. Integriere diese in dein Leben, aber nicht umgekehrt.

Rheuma Deern

Als Berufsrheumatikerin habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, nicht nur meinen Leidensgenossen, sondern auch gemütlicher gebauten Menschen Hilfe zu geben, damit sie ihr Leben nicht nach einer Krankheit oder anderen Hindernissen richten. Ziel ist, dass sich die Krankheit dem Leben anpassen muss, nicht umgekehrt!

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