Sind Milchprodukte zum Abnehmen/bei Rheuma gesund?

Sind Milchprodukte gesund oder nicht? Und welche Rolle spielen sie beim Abnehmen und bei Rheuma? Milchprodukte gehörten lange zu den wichtigsten Lebensmitteln, die dir Eiweiß liefern. In den vergangenen Jahren kam auf einmal die Mode auf, Milchprodukte zu verteufeln. Und gefühlt jeder litt auf einmal an einer Laktoseintoleranz, und der Markt wurde mit laktosefreien Produkten überschwemmt.

Hier ist nun eine kurze neutrale Sicht auf die Fragen.

Milchprodukte gesund
Milch bietet eine Vielfalt an Produkten an. Foto: Daria-Yakovleva, über: Pixabay

Warum Milchprodukte ungesund sein sollen

Bei der Frage, ob Milchprodukte gesund sind oder nicht, hat auch der Vormarsch der veganen Lebensweise eine Rolle gespielt. Diese verbietet, da ein tierisches Produkt, Milchprodukte und weißt auf die Unmengen an Wasser hin, die es braucht um Milch und deren Produkte zu erzeugen. Das Tierwohl spielt auch immer wieder eine Rolle.

Ungeachtet der Tatsache, dass für die ganzen Milchalternativen auch sehr viel Wasser verbraucht wird und für Sojaprodukte in anderen Ländern Wälder abgeholzt werden, ist dies aber kein Grund zu sagen, dass Milchprodukte ungesund sind.

Vielmehr sind die Inhaltsstoffe entscheidend, die Milchprodukte gesund bzw. ungesund machen. Eine bestimmte Haltung zu Milch ist nämlich kein Beweis, ob das Produkt an sich schlecht ist oder nicht.

Dabei unterscheiden wir zwischen dem reinen Produkt „Milch“ und die Produkte, die aus der Milch entstehen.

gesättigte Fettsäuren

Milch zählt zu den tierischen Fetten und hat eine hohe Anzahl an gesättigten Fettsäuren. Diese stehen, anders als bei pflanzlichen Fetten, in Verdacht, Entzündungen zu begünstigen.

So zählen auch Butter, Speck oder Schmalz zu den ungünstigen Fetten. Dieser Zusammenhang ist bei Menschen mit Rheuma bereits erkannt worden. Hier heißt das Zauberwort Arachidonsäure, welche Entzündungsprozesse im Körper fördert und folglich für Schmerzen sorgt, wenn man bereits an einer Autoimmunerkrankung wie der Rheumatoiden Arthritis leidet.

Daneben muss Milch aber auch als Produkt ins Auge gefasst werden, welches in verschiedenen Lebensphasen wichtig bzw. nebensächlich ist.

In jungen Jahren, wenn der Körper im Wachstum ist, braucht der Körper Eiweiß um problemlos wachsen zu können und um ein starkes Muskelwachstum und starke Knochen zu begünstigen.

Ein Grund, weshalb Milch dabei so gut hilft, sind die in der Milch enthaltenen Hormone sowie Kalzium. Bis etwa Mitte 20 kann der Körper Milch besser aufnehmen und ertragen als später im Leben. Davor sorgt sie, aufgrund der Hormone und der Fettsäuren, höchstens für unreine Haut, die aber in der Pubertät sowieso entsteht und nicht alleinig dafür verantwortlich ist.

(Junge) Leute, die an einer unreinen Haut leiden, wird daher der (eingeschränkte) Verzicht auf Milch angeraten. So soll das Hautbild verbessert werden.

Ist Milch also ungesund?

Nicht unbedingt. Es stimmt, dass gesättigte Fettsäuren Entzündungen, schlechte Haut und mit unter eine Veränderung der Gene mit sich bringen.

Aber: Es wurde auch festgestellt, dass BIO-Milch mehr Omega-3 Fettsäuren hat als konventionelle Milch. Diese wirken sich nicht nur positiv bei Entzündungen aus, sondern beugen in moderater Menge auch Herz Kreislauf Erkrankungen vor.

Der Grund liegt in der Ernährung, die die Tiere zu sich nehmen. Während die Tiere bei konventioneller Milch überwiegend Soja oder Getreide zu sich kriegen, können BIO-Tiere viel mehr Grünzeug essen und nehmen so selbst mehr ungesättigte Fettsäuren auf.

Aus diesem Grund solltest du auch überlegen ab und zu Schafsmilchprodukte oder Ziegenmilchprodukte zu konsumieren. Anders als bei Kühen werden diese (unter normalen Umständen) überwiegend mit Kräutern und anderem Grünzeug gefüttert und haben mehr Freigang.

Der andere Punkt, weshalb Milchprodukte als gesund eingestuft werden können liegt im Knochenwachstum. Nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen brauchen Proteine, aber auch Kalzium, um wachsen zu können.

Während des Körperwachstums und aufgrund der in der Milch enthaltenen Hormone (s.o.) wachsen die Knochen besser und das Skelett wird stabiler. Weil die Menschen im zunehmenden Alter Milch anders verwehrten und Männer sogar weibliche Hormone aufnehmen können, nimmt diese Gruppe oftmals unbewusst weniger Milch zu sich.

Allerdings ist das in Milchprodukten enthaltene Kalzium unabdingbar für die Knochen. Die Folgen von geringer Kalziumaufnahme sind Osteoporose (womit vor allem Frauen zu kämpfen haben) oder Vitamin-D Mangel.

Milchprodukte

Um dem entgegen zu wirken solltest du statt Milch auf (fettarme) Milchprodukte übergehen. Der Unterschied zur einfachen Milch liegt in der Verarbeitung und in der Zusammensetzung der Fettsäuren.

Hartkäse wie Parmesan ist gut geeignet und kann also wieder gerne über die Spaghetti gestreut werden. Und auch der Harzer Käse, der ursprünglich aus Quark gewonnen wird, ist sehr empfehlenswert, wenn du deine Knochen stärken willst. Zudem besitzt dieser Käse zum einen einen überdurchschnittlichen Eiweißgehalt und ist zum anderen sehr fettarm. Wenn du an Rheuma leidest, ist dieser Käse also eine sehr zu empfehlende Möglichkeit, um dich rundum zu versorgen.

Quark, Joghurt, Kefir und Buttermilch haben auch noch einen weiteren gesundheitlichen Vorteil:

Die Milchsäurebakterien, die übrigens auch in eingelegtem Gemüse zu finden sind, bringen deine Darmaktivität auf Vordermann. Nahrung wird besser verwehrtet, der Darm vor Krankheiten geschützt, das Immunsystem gestärkt und dir wird beim Abnehmen geholfen.

Milch zum Abnehmen

Und damit kommen wir zum nächsten Punkt. Mit Milchprodukten kannst du wunderbar abnehmen. Nicht nur, weil dir die Bakterien bei der Darmreinigung helfen, sondern auch aus dem einfachen Grund der Sättigung.

Milchprodukte halten dich lange satt, sodass du erst später wieder Hunger verspürst. Dafür kannst du zum Beispiel Quark mit Leinöl glatt verrühren und mit frischen Beeren vermengen. Und schon hast du eine wunderbare kleine Mahlzeit.

Abgesehen vom Sättigungseffekt helfen dir Milchprodukte auch beim Muskelwachstum. Nach dem Sport braucht der Körper Energie, die er gerade verloren hat. Die Muskeln wachsen besser, wenn du nach dem Training eine eiweißreiche Mahlzeit zu dir nimmst.

Und da du bereits weißt, dass mehr Muskeln auch mehr Energieverbrauch bedeutet, nimmst du mehr ab, als wenn du nur über wenig Muskelmasse verfügst.

Oder anders gesagt: Wenn du mehr Muskeln hast, desto mehr Energie kannst du zu dir nehmen, ohne gleich wieder zuzunehmen.

Tipps zum gezielten Abnehmen sind folgende:

  • Iss als letzte Mahlzeit glatt verrührten Quark mit pflanzlichem Öl und zuckerarmen Obst
  • Iss nach dem Sport eine eiweißreiche Mahlzeit
  • Trinke für den kleinen Hunger zwischen durch 1/2 Becher Buttermilch oder Kefir

Sport Tipp: Anstatt eines teuren Proteindrinks, den viele nach dem Sport gerne trinken, kannst du auch einfach 1 Becher Buttermilch oder Kefir trinken. Anders als bei den fertigen Proteindrinks sind auch kein Zucker, keine Geschmacksstoffe etc. enthalten.


Rheuma heilen

Psst, kleiner Tipp:

In der Rheuma Schule erhältst du selbst angewandte Tipps und Hilfen, die deine Entzündungen und Schmerzen lindern, dich beweglicher machen und dich leichter durchs Leben tragen…


Milch bei Rheuma

Und auch bei Rheuma sind Milchprodukte wichtig. Vorweg aber ein Hinweis:

Bei stark ausgeprägten Symptomen empfehlen nicht nur Ärzte den Verzicht auf Milchprodukte, vor allem Milch an sich. Die Gründe liegen hier vorrangig in den gesättigten entzündungsfördernden Fettsäuren und dem niedrigen Gehalt an Omega-3 Fettsäuren.

Da aber bei rheumatischen Erkrankungen Knochenschwund vorprogrammiert ist, brauchst du nun mal Kalzium, auch in Form von Milchprodukten. Kalzium alleine aus pflanzlichen Nahrungsmittel wie Sesam einzuholen wird dir nicht gelingen, weil die Menge, die du verzehren müsstest, nicht an einem Tag zu schaffen ist.

Und weil man als Rheumatiker ein Risikofall für Knochenschwund ist, musst du umso mehr auf eine gute Kalziumzufuhr achten.

Mein selbst angewandter Tipp zum Milchkonsum ist daher dieser:

Wenn du an Rheuma-bedingten Schmerzen leidest oder der Entzündungswert nicht unter 5,0 liegt, dann verzichte eine Weile auf Milchprodukte und beschränke dich auf Rheuma-günstige Lebensmittel. Danach solltest du 1-2 Portionen Milchprodukte täglich konsumieren.

  • Kaufe keine konventionelle Milch, sondern BIO-Milch
  • Kombiniere Milchprodukte mit Gemüse, Vollkornprodukten oder Obst

Rheuma-Müsli

Nun will ich dir einen Weg zeigen, wie einfach du Milchprodukte konsumieren kannst UND deiner Gesundheit Gutes tust. Hier stelle ich dir mein Rheuma-Müsli vor!

Dafür brauchst du:

  • 4-5 EL Haferflocken
  • Kürbiskerne
  • Nüsse (Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse)
  • pflanzliches Öl (Leinöl, Walnussöl, Kürbiskernöl)
  • 1 EL Leinsamen/Sesam/Weizenkeime
  • Beeren
  • Rohkakao (KEINE TRINKSCHOKOLADE!!!)
  • Gewürze wie Zimt, Kardamom oder Anis
  • BIO-Milch oder Joghurt
  • evt. Honig

Zu den Inhalten lässt sich natürlich etwas sagen. Die Haferflocken liefern dir Mineralstoffe wie Zink, die nicht nur schöne Nägel, Haut und Haare schenken, sondern auch für Rheumatiker wichtig sind, weil diese eine niedrigere Konzentration hiervon nachweisen.

Die Kerne und Nüsse liefern dir anti-entzündliche Omega-3 Fettsäuren und pflanzliches Eiweiß. Durch die Kombination mit dem tierischen Eiweiß in Form der Milch/ des Joghurts werden das pflanzliche Eiweiß besser aufgenommen.

Leinöl hat die höchste Konzentration an Omega-3 Fettsäuren und wirkt sich auch auf den Muskelaufbau günstig aus. Die Beeren liefern dir wertvolle Vitamine und Antioxidantien, der Kakao bietet auch anti-entzündliche Wirkstoffe.

Die Gewürze sind auch Entzündungshemmer und geben deinem Müsli das gewisse Etwas. Letzten Endes sorgt Honig nicht nur für eine gute Süße, sondern ist ebenfalls als Entzündungshemmer wirksam.

Abgesehen davon ist dies ein sehr gutes Frühstück, welches dich

  • lange satt hält
  • dein Gehirn mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt
    • Dadurch bist zu konzentrierter und weniger müde

Fazit

Sind Milchprodukte nun gesund oder nicht? Kannst du weiterhin getrost ein Glas Milch trinken, oder habe ich dich verschreckt?

Wer an einer entzündlichen Krankheit leidet, der sollte auf seine Kalziumzufuhr achten, um Knochenschwund zu vermeiden. Dafür sollten Milchprodukte in moderaten Mengen (höchstens 2 kleine Portionen am Tag) konsumiert werden und bestenfalls die BIO-Variante bevorzugt werden.

Auch wen du nicht an Gelenkerkrankungen leidest, sollte „Milch“ weniger als „Milchprodukte“ konsumiert werden. Wenn Milch getrunken wird, dann solltest du zu BIO-Milch gegriffen werden. Diese hat mehr Omega-3 Fettsäuren und trägt zum Wachstum der Muskeln und der Stärkung deiner Knochen bei.

Produkte wie Joghurt, Kefir oder Quark sind zudem wahre Helfer beim Abnehmen und halten dich länger satt als einfache Milch. Auch sind in dieser Form der verarbeiteten Milch weniger Hormone enthalten und haben eine höhere Konzentration an Milchsäurebakterien.

Zu viele Milchprodukte sind aber auch nicht zu empfehlen. Abgesehen von einer schlechten Haut verursacht Milch, wenn sie auch später im Alter viel getrunken wird, für eine Veränderung des Körpers durch die Hormone.

Du siehst also, dass die Dosis das Gift macht und Milchprodukte an sich gesund sind.

Rheuma Deern

Als Berufsrheumatikerin habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, nicht nur meinen Leidensgenossen, sondern auch gemütlicher gebauten Menschen Hilfe zu geben, damit sie ihr Leben nicht nach einer Krankheit oder anderen Hindernissen richten. Ziel ist, dass sich die Krankheit dem Leben anpassen muss, nicht umgekehrt!

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