Urlaub für alle! Mit Rheuma entspannt verreisen: Was du alles brauchst

Alle Menschen haben das Recht auf Reisen. Auch Rheumatiker. Dennoch sollten sich diese nicht planlos davon machen. Wie du mit Rheuma verreisen kannst ohne Entspannung einbüßen zu müssen, erfährst du hier.

Außerdem wird die Frage beantwortet, ob du als Rheumatiker wirklich eher in warme Länder reisen solltest oder ob es der kalte Norden auch tut…

Vor dem Urlaub

Rheumatiker sollten regelmäßig beim Rheumatologen vorsprechen und Blut abgeben. Falls du einen längeren Aufenthalt planst, dann achte darauf kurz vor dem Urlaub ein letztes Mal Blut abgegeben zu haben und deinem Rheumatologen einen Besuch abzustatten.

Er/Sie kann dir auch für den Fall, dass du keine Spritzen mitnehmen willst (s.u.) Medikamente in Tablettenform mitgeben. Diese haben gegenüber den Spritzen einige Vorteile, da du mit diesen im besten Fall einfach durch die Kontrollen an den Flughäfen kommst.

Diesen Luxus hast du in der Regel nicht mit Spritzen, aber dazu kommen wir im nächsten Abschnitt.

Handtuch, Sonnencreme…Attest!

Für diesen Tipp wirst du mir noch dankbar sein!

Da es so viele verschiedene Menschen gibt, die an Rheuma leiden, gibt es auch viele verschiedene medikamentöse Therapien, mit denen Rheuma kuriert werden soll.

Dabei kommen nicht nur Tabletten, sondern mit unter auch Spritzen zum Einsatz.

Bei Tabletten ist es einfach. Du packst sie in die Tasche und gut ist. Bei Spritzen sieht es anders aus. Einmal durch die Kontrolle und schon wirst du von den netten Damen und Herren vom Sicherheitspersonal zur Seite gerufen, damit du ihnen die Spritzen erklären darfst. An ausländischen Kontrollen kommen eventuell auch noch sprachliche Missverständnisse zustande.

Dies kannst du leicht verhindern!

Wenn du länger auf Reisen bist und in der Zeit deine Spritzen brauchst, dann bitte deinen Rheumatologen vorab, dass er/sie dir ein Attest (mit Unterschrift und Stempel) anfertigt.

In diesem steht zum einen, dass du an Rheuma leidest, und zum anderen, dass du aufgrund dieser Erkrankung auf diese und jene Spritzen angewiesen bist. Wenn du zusätzlich das Schreiben auf Englisch erhältst, solltest du keine Probleme an den Kontrollen haben.

Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Kontrolleure trotzdem nachfragen, um was für Spritzen es sich handelt, aber niemand kam auf die Idee, mich nicht weiter zu lassen.

Und das nur, weil ich ein Attest vorgewiesen habe und weil ich die Spritzen in der Originalverpackung gelassen habe.

Eine andere Möglichkeit ist die Anschaffung eines „Europäischen Notfall-Ausweises“. Dies ist ein kleines gelbes Heft, in welches dein Hausarzt nicht nur die Medikamente bestätigt, die du einnimmst, sondern auch andere Krankheiten und Allergien.

Ich empfehle trotzdem sowohl ein Attest als auch den Europäischen Notfall-Ausweis bei dir zu haben. So kannst du mit Rheuma auch in andere Länder einfach verreisen!


mit Rheuma verreisen

Der Europäische Notfall-Ausweis

Der Pass beinhaltet aus 12 Seiten und in 9 Sprachen

  • ein Lichtbild
  • Anschrift
  • Blutgruppe
  • Impfungen
  • Kontaktpersonen
  • etc.

Einige Apotheken bieten den Pass an. Ansonsten kannst du deine Krankenkasse um einen Ausweis bitten. Einmalig zahlst du 3 Euro. Mehr dazu…


Wenn du mit Rheuma verreisen willst (musst, darfst, kannst), dann lohnt es sich auch, die Einfuhrbestimmungen vor Ort im Internet durchzulesen. So werden hoffentlich Missverständnisse mit dem Sicherheitspersonal geklärt.

Wie sieht es mit der Kühlung aus?

Du hast ein Attest und darfst deine Spritzen mit in den Flieger nehmen. Super!

Fertig bist du aber noch nicht. Alle Spritzen, sei es MTX, Humira oder Hulio, müssen gekühlt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Wirkung verloren geht.

Und das soll sie nicht.

Es gibt kleine Kühltaschen, die Platz für 6-8 Spritzen bieten und teils noch Platz für Kühlelemente lassen. Für 2 Stunden etwa bleiben deine Spritzen noch kühl genug, ohne ihre Wirkung verloren zu haben.

Aber wie sieht es mit längeren Reisen aus?

Ich hatte mal einen mehrstündigen Flug und das Glück; auf ein freundliches Flugpersonal zu treffen, die meine Spritzen im Kühlfach verstaut haben und mir dann vor der Landung wiederbrachten.

Frag also ruhig nach!

Praxis-Tipp: Stecke die Kühltasche vorher über Nacht ins Gefrierfach!

Auslandssemester oder ähnliches?

Eine Möglichkeit, die ich noch nicht testen musste, aber von der ich weiß, kommt auch ohne die bisherigen Maßnahmen aus:

Falls du einen längeren Auslandsaufenthalt über Monate hinweg planst und die Medikamente in Form von Spritzen nicht mitnehmen willst, dann bespreche mit deinem Rheumatologen und deiner Krankenkasse bzw. deiner Auslandskrankenversicherung, welche Ausweich-Medikamente es vor Ort gibt.

Diese haben in der Regel gleiche oder ähnliche Wirkstoffe und können aus dortigen Apotheken gekauft werden.

Oder aber du informierst dich vorab, ob die einheimischen Apotheken deine Medikamente anbieten.

Dafür bekommst du ein Attest, welches du einlösen kannst. Wie genau dies abläuft ist aber etwas, was ich bisher nicht lernen musste. Setzte dich in diesem Fall mit deiner Krankenkasse in Verbindung.

Extra-Tipp: Nimm die Packungsbeilage mit in den Urlaub. Für den Fall, dass du vor Ort unplanmäßige Medikamente einnehmen muss, kann der Arzt anhand der Inhaltsstoffe ein geeignetes Medikament verschreiben, welches bei deinen Rheuma Medikamenten keine Nebenwirkungen hervorruft.

Was ist, wenn Schmerzen aufkommen?

Schmerzen sind das Letzte, was man sich auf Reisen wünscht. Habe also immer Schmerztabletten zur Hand und für den Notfall auch Cortison.

Um Schmerzen zu verhindern, gibt es noch einige Kniffe, die dir das Reisen bei Rheuma entspannter machen:

  • Nach langem Sitzen schmerzen oft die Beine und das Blut ist angestaut. Strecke und dehne dich also regelmäßig und ziehe bei Bedarf auch Stützstrümpfe an
  • Auch im Ausland ist die richtige Rheuma Ernährung wichtig. Um Schmerzen zu lindern oder vorzubeugen, solltest du auf viel Gemüse, Fisch und Hülsenfrüchte achten. Vermeide Fleisch, fettige Milchprodukte und Zucker!
  • Gehe viel spazieren. Durch die leichte Bewegung nährst du deinen Knorpel
  • Vielen Rheumatikern tut die Wärme gut. Lege dich also in die Sonne und vergiss nicht, dich vorher gut einzucremen
  • Anderen tut Kälte gut. Frage im Hotel nach Kühl-Pads

Zusätzliche Tipps

Selbstverständlich kannst du es in deinem Urlaub so gut gehen lassen, wie alle anderen auch. Einige Tipps und Tricks, die du auch Daheim anwenden kannst, sind auch im Urlaub durchführbar (wenn dich Schmerzen überkommen oder du sie vorbeugen willst):

  • Fasten mindert Schmerzen. Lasse ab und zu eine Mahlzeit aus oder halte einen Anstand von 4-5 Stunden zwischen den Mahlzeiten
  • Treppensteigen ist angenehmer, wenn du nicht als erste/r die Treppen hinauf oder runter schreitest. Lasse den Leuten Vortritt, damit du nicht auf Kraft komm raus und unter Schmerzen einen Zahn zulegen musst
  • Falls du magst, kannst du eine Gewürzmischung mitnehmen, die anti-entzündliche Wirkungen haben. Damit kannst du eventuell fade schmeckendes Essen ein wenig aufpäppeln

Mit Rheuma verreisen

Weitere Tipps und Tricks auch für Daheim helfen dir im Alltag =>


Nach dem Urlaub

Und wenn der Urlaub vorbei und du ausreichend entspannt bist, dann bist du selbstverständlich wieder Daheim. Da es fast ausgeschlossen ist, einen Rheuma bedingten Speiseplan im Urlaub zu verfolgen, kann sich eventuell Unwohlsein einschleichen.

Nach dem Urlaub kannst du 1-2 Tage fasten, um dich wieder auf deine Ernährung zu konzentrieren. Außerdem können Schmerzen, falls diese während des Urlaubs aufgetreten sind, gelindert werden.

Last but not Least…

Es gibt das Klischee, dass Rheumatiker vor allem wärme brauchen, um Schmerzen zu lindern. Tatsächlich fühlen sich viele mit Kälte besser als mit Wärme.

Das ist genauso wie bei der „Wetter Frage“. Viele spüren bei nassem und/oder kaltem Wetter Verschlechterungen, während andere zu den Glücklichen gehören, die dagegen immun sind.

Ich sage: Du musst mit Rheuma nicht zwingend in ein warmes Land verreisen, nur weil andere es dir empfehlen. Solltest du aber zu denen gehören, die sehr anfällig für Kälte sind, dann ist ein Besuch in den südlichen Breiten eher anzuraten.

Ansonsten spricht aus meiner Sicht nichts gegen einen Besch in den Norden, der ebenfalls sehenswert ist.

Und Punkt.


Wie du siehst kommst du an einer guten Planung vor dem Urlaub nicht vorbei. Aber es lohnt sich und verhindert unschöne Erinnerungen im Urlaubsland oder Diskussionen an den Kontrollen.

Oft sind es nur einmalige Schritte, die zu machen sind und irgendwann kommst du auch in eine Routine. Und da Entspannung ein wesentlicher Punkt bei der Rheuma Therapie darstellt, ist es also Pflicht für dich, es dir im Urlaub richtig gut gehen zu lassen!

Denn wie dir wissen, sorgen auch Stresshormone für Schmerzen, und die können im Urlaub gerne zu Hause bleiben.

Genieße deinen nächsten Urlaub!

Rheuma Deern

Als Berufsrheumatikerin habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, nicht nur meinen Leidensgenossen, sondern auch gemütlicher gebauten Menschen Hilfe zu geben, damit sie ihr Leben nicht nach einer Krankheit oder anderen Hindernissen richten. Ziel ist, dass sich die Krankheit dem Leben anpassen muss, nicht umgekehrt!

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Eine Antwort

  1. 25. Januar 2021

    […] Mit Rheuma verreisen: Was du für (d)eine Reise brauchst […]

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